{"id":803,"date":"2007-12-03T18:31:31","date_gmt":"2007-12-03T09:31:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.debito.org\/?p=803"},"modified":"2008-04-23T12:36:35","modified_gmt":"2008-04-23T03:36:35","slug":"der-spiegel-grenzkontrollen-japans-furcht-vor-dem-fremden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.debito.org\/?p=803","title":{"rendered":"Der Spiegel:  GRENZKONTROLLEN: Japans Furcht vor dem Fremden"},"content":{"rendered":"<p>Hi Blog.  It&#8217;s not as though I can read German (the author sent this to me), but he says it&#8217;s more media favorable to our cause.  <a href=\"https:\/\/www.debito.org\/?p=815\">English translation here.<\/a> Thanks to Christoph.  Debito in Sapporo<\/p>\n<p>==============================<br \/>\nSPIEGEL ONLINE &#8211; 26. November 2007, 16:30<br \/>\nURL: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/reise\/fernweh\/0,1518,519596,00.html\">http:\/\/www.spiegel.de\/reise\/fernweh\/0,1518,519596,00.html<\/a><\/p>\n<p>GRENZKONTROLLEN<br \/>\nJapans Furcht vor dem Fremden<\/p>\n<p>Von Christoph Neumann<br \/>\nEin Japaner braucht noch nicht einmal einen Personalausweis &#8211; biometrische Daten von Ausl\u00e4ndern jedoch werden f\u00fcr 70 Jahre gespeichert. B\u00fcrgerrechtler wittern Terrorhysterie und Rassismus, das Fremdenverkehrsamt f\u00fcrchtet um das Image des Landes.<\/p>\n<p>&#8220;Yokoso!&#8221; &#8211; Willkommen! In leuchtend roten Lettern auf riesigen Plakaten begr\u00fc\u00dft das Japanische Fremdenverkehrsamt ausl\u00e4ndische Besucher am Flughafen. Der japanische Zoll empf\u00e4ngt die Einreisenden etwas weniger \u00fcberschw\u00e4nglich: Seit vergangener Woche m\u00fcssen Ausl\u00e4nder nicht nur wie bisher den Pass vorzeigen, sondern wie in den USA auch ihre Fingerabdr\u00fccke abgeben, Fotos von sich machen lassen und ein kurzes Verh\u00f6r durchstehen. Die Regelung gilt nicht nur f\u00fcr Touristen und Gesch\u00e4ftsleute, sondern auch f\u00fcr in Japan wohnhafte Ausl\u00e4nder. Ausgenommen werden nur Diplomaten, Kinder unter 16 Jahren sowie die Familien der im II. Weltkrieg nach Japan verschleppten Koreaner.<\/p>\n<p>JAPAN: PROTEST GEGEN DEN FINGERABDRUCK<br \/>\nFotostrecke starten: Klicken Sie auf ein Bild (4 Bilder)<br \/>\nYuki Ogawa vom Fremdenverkehrsamt empfindet die Ma\u00dfnahmen erst einmal nicht als Widerspruch zum herzlichen Willkommen: &#8220;Genau wie wir sind ja auch die Z\u00f6llner sind angewiesen, ausl\u00e4ndische G\u00e4ste warm und offenherzig in Japan zu empfangen. Und es gab eben gewisse F\u00e4lle&#8230;&#8221;<\/p>\n<p>Die &#8220;F\u00e4lle&#8221; illustriert das japanische Justizministerium mit einem Informationsvideo. Zun\u00e4chst werden Szenen vom einst\u00fcrzenden World Trade Center und vom zerbombten Madrider Atocha-Bahnhof gezeigt. Danach begr\u00fcndet eine l\u00e4chelnde Sprecherin die versch\u00e4rften Einreisebestimmungen explizit mit der &#8220;st\u00e4ndig wachsenden Terrorgefahr&#8221;. Bei der Feier zur offiziellen Inbetriebnahme des neuen Systems am Tokioter Flughafen Narita hatte Justizminister Kunio Hatoyama versprochen: &#8220;Damit werden wir wohl verhindern, dass in Zukunft al-Qaida-Terroristen ins Land kommen.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Ich leiste meinen Betrag&#8221;<\/p>\n<p>Eine sehr selektive Terrorhysterie treibt bereits seit einigen Jahren seltsame Bl\u00fcten in Japan. Auf Tokios Megabahnh\u00f6fen wie Shinjuku oder Ikebukuro mit \u00fcber einer Million Passagieren t\u00e4glich sind nach wie vor keine Sicherheitskr\u00e4fte zu sehen. Dagegen werden Fahrg\u00e4ste selbst in Bummelz\u00fcgen und auf einsamen Landbahnh\u00f6fen mit Durchsagen und Plakaten traktiert, unbeaufsichtigtes Gep\u00e4ck sofort zu melden, &#8220;als Ma\u00dfnahme zur Terrorabwehr&#8221;.<\/p>\n<p>Die Mitarbeiterinnen der weit verbreiteten &#8220;Kiosk&#8221;-Verkaufsbuden trugen im vergangenen Winter eine Zeitlang Anstecker: &#8220;Auch ich leiste meinen Beitrag im Kampf gegen den internationalen Terrorismus.&#8221; Die Frage, wie sie, eingeklemmt zwischen Tee-Plastikflaschen, Sandwiches und Tageszeitungen, sich denn konkret ihren Beitrag vorstelle, b\u00fcrstet die resolute Verk\u00e4uferin unwirsch ab: &#8220;Das m\u00fcssen wir jetzt alle anstecken, aber ich hab jetzt keine Zeit, dar\u00fcber nachzudenken, was die damit eigentlich meinen.&#8221;<\/p>\n<p>Dabei hat Japan als reiche westliche Industriemacht und Verb\u00fcndeter der USA im Irak-Krieg einigen Grund, Terrorattacken zu f\u00fcrchten. In j\u00fcngerer Zeit war Japan auch bereits Opfer mehrerer Terroranschl\u00e4ge, so beim Nervengas-Angriff auf die Tokioter U-Bahn im M\u00e4rz 1995. Nur h\u00e4tte auch eine noch so scharfe Zollkontrolle keinen Einzigen der Anschl\u00e4ge verhindert, denn alle Attentate auf japanischem Boden wurden bisher ausschlie\u00dflich von Japanern ver\u00fcbt.<\/p>\n<p>Protest gegen Personalausweis<\/p>\n<p>Von vielen der eigenen B\u00fcrger aber hat das japanische Justizministerium nicht einmal Fotos, geschweige denn Fingerabdr\u00fccke. Japaner weisen sich oft nur mit ihrer Krankenversicherungskarte aus. Manchen Handy-Providern im vertrauensseligen Japan gen\u00fcgt sogar nur die letzte Stromrechnung als Identit\u00e4tsnachweis. Als die Regierung vor ein paar Jahren endlich, wie sonst auf der Welt l\u00e4ngst \u00fcblich, einen Personalausweis einf\u00fchren wollte, nur mit Foto und ohne Fingerabdr\u00fccke, rollte ein Aufschrei des Protestes durch das Land. 2006 erkl\u00e4rte das japanische Verfassungsgericht den Ausweis schlie\u00dflich sogar f\u00fcr verfassungswidrig.<\/p>\n<p>Die Fingerabdr\u00fccke und Fotos der Ausl\u00e4nder in Japan dagegen sollen 70 Jahre lang gespeichert und &#8220;unter bestimmten Bedingungen&#8221; auch mit &#8220;Beh\u00f6rden anderer L\u00e4nder&#8221; geteilt werden. Im Bundeskriminalamt reibt man sich vielleicht schon die H\u00e4nde, aber japanische B\u00fcrgerrechtler sind in Aufruhr. Arudou Debito, Autor eines Buches \u00fcber Rassismus in Japan, nennt die neuen Bestimmungen einen &#8220;Teil eines offiziellen Putsches, um alle Ausl\u00e4nder zu Verbrechern zu erkl\u00e4ren&#8221;.<\/p>\n<p>Makoto Teranaka von Amnesty International Japan erkl\u00e4rte bei einer Protestveranstaltung: &#8220;Seit dem 11. September werden auch in Japan unter dem Vorwand der Terrorismusbek\u00e4mpfung alle m\u00f6glichen Menschenrechte kaltbl\u00fctig verletzt. Dass unsere Regierung mit den Ma\u00dfnahmen jetzt die Ausl\u00e4nder zur Zielscheibe macht, ist nicht anderes als Rassismus.&#8221;<\/p>\n<p>Die konservativen japanischen Medien feiern derweil, dass in den wenigen Tagen seit der Einf\u00fchrung des neuen Systems bereits elf Ausl\u00e4nder, die wegen Visavergehens ausgewiesen worden waren, beim Versuch der illegalen Einreise \u00fcberf\u00fchrt werden konnten.<\/p>\n<p>Diskriminierung wird gesellschaftsf\u00e4hig<\/p>\n<p>Zwar sind die meisten Japaner Ausl\u00e4ndern gegen\u00fcber nach wie vor neugierig, freundlich und hilfsbereit. Aber die 15-j\u00e4hrige Wirtschaftskrise und ein sichtbar steigender ausl\u00e4ndischer Bev\u00f6lkerungsanteil haben viele Japaner nerv\u00f6s und offene Diskriminierung erstaunlich gesellschaftsf\u00e4hig werden lassen.<\/p>\n<p>Viele Clubs, \u00f6ffentliche B\u00e4der und selbst Nudelk\u00fcchen verbieten auf Tafeln am Eingang explizit &#8220;Ausl\u00e4ndern&#8221; den Zutritt: &#8220;Japanese only&#8221;. Die Polizei der Provinz Nagano h\u00e4ngte an den \u00f6rtlichen Geldautomaten Plakate auf, auf denen Trickbetr\u00fcger wei\u00dfer Hautfarbe zu sehen sind, die Japanern ihr gerade erst abgehobenes Geld rauben. Und der popul\u00e4re Spitzenpolitiker Shintaro Ishihara, Tokios Gouverneur, ist ber\u00fcchtigt f\u00fcr seine rassistischen Ausf\u00e4lle. Dabei hat er sich vor kurzem offiziell mit Tokio f\u00fcr die Ausrichtung der Olympiade 2016 beworben, des Symbols der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung schlechthin.<\/p>\n<p>Und auch Frau Ogawa vom Fremdenverkehrsamt ahnt doch noch Schlimmes: &#8220;Wir sind von der Regierung gebeten worden, das Stimmungsbild der Touristen in den n\u00e4chsten Wochen genau zu beobachten. Wenn sich das Image Japans tats\u00e4chlich drastisch verschlechtert, kann es durchaus sein, dass wir in unserem Abschlussbericht eine Aussetzung der Ma\u00dfnahmen empfehlen.&#8221;<\/p>\n<p>ENDS\n<\/p>\n<p><!--704db61e8710cbf2b40549e918a8d90a--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Spiegel: &#8220;Yokoso!&#8221; &#8211; Willkommen! In leuchtend roten Lettern auf riesigen Plakaten begr\u00fc\u00dft das Japanische Fremdenverkehrsamt ausl\u00e4ndische Besucher am Flughafen. 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